Mittwoch, 13. Mai 2020

Buchrezension "Nachttiger" von Yangsze Choo




Im Britisch-Malaya der 1930er-Jahre, wird der junge Houseboy Ren von seinem sterbenden Herrn um einen letzten Gefallen gebeten: Er soll den einst amputierten Finger des alten Arztes finden, ihn innerhalb 49 Tage wieder mit seinem Körper zusammenführen, damit laut Aberglaube seine Seele ihre Ruhe finden kann und nicht rastlos umherstreifen wird. 
Auf seiner Suche trifft er die junge Ji Lin, deren größter Wunsch es ist, Krankenschwester zu werden, zur Zeit allerdings als heimlich als Tanzlehrerin die Schulden ihrer Mutter abarbeitet. Dass ihre Wege sich nicht zufällig kreuzen und auch Ji Lin und ihr Adoptivbruder Shin bereits Kontakt mit dem abgetrennten Finger hatten, wird ihnen erst sehr spät bewusst. Doch sie verbindet noch weitaus mehr, denn ihre Namen bilden drei der Fünf Tugenden nach Konfuzius: 

Zhi – Weisheit 
Yi – Rechtschaffenheit
Ren – Güte
Li – Ordnung
Xin – Aufrichtigkeit 

Der Vierte im Bunde ist Rens verstorbener Bruder Yi, dem Ji Lin bereits in ihren Träumen begegnet ist. Doch wer ist der unbekannte Fünfte vor dem sie gewarnt werden? Bald heften sich dunkle Schatten an ihre Fersen, die vor nichts zurückschrecken - auch nicht vor Mord. Doch die Gefahr droht nicht nur von menschlicher Seite aus, sondern auch aus dem Geisterreich; Menschen sind auf mysteriöse Weise verschwunden und gestorben, Tiger wurden gesichtet. Gewöhnliche Tiger oder doch menschenfressende Geistertiger wie es die Legenden sagen?

 „Nachttiger“ von Yangsze Cho ist weitaus mehr als nur ein einfacher historischer Roman. Er kombiniert Mystik, Thriller und Romantik auf eine Art und Weise, die den Leser in seinen Bann zieht. Die chinesischen Legenden werden so nahtlos in den Roman eingewoben, dass man nicht mehr zwischen Legende und Realität differenzieren kann. 
Die Hauptpersonen werden erst nacheinander eingeführt, die Perspektiven wechseln dabei zwischen Ren, Ji Lin und William Acton, einem jungen Arzt, der Ren bei sich arbeiten lässt. So lernt man die Charaktere von all ihren Seiten kennen, man erfährt ihre innersten Gedanken und Wünsche, sieht sie aber auch durch die Augen anderer und wie sie in ihrer Umwelt agieren. Doch erfährt der Leser tatsächlich alles über sie oder gibt es auch unausgesprochene Geheimnisse und Taten, derer man sich nicht bewusst ist? 
Verbunden durch das Schicksal und der Suche nach einem Finger, in der faszinierenden Mischung aus Kultur, Legenden, Aberglaube, Spannung und Romantik, versuchen die Protagonisten ihren Weg zu finden, bevor ihre Gegenspieler ihnen zuvorkommen.

Dieses Buch hatte mich zunächst wegen des wunderschönen Stoffeinbandes angesprochen und mich dann so gefesselt, dass ich es nicht mehr aus der Hand legen konnte. Die Mischung aus historischem Roman mit mystischen Elementen, die dem Roman beinahe einen fantastischen Flair verleihen, üben eine eigenartige Faszination aus, die ich bisher in nur sehr wenigen Büchern gefunden habe.
Ich kann an dieser Stelle nur eine klare Buchempfehlung aussprechen!

Dienstag, 21. April 2020

Buchrezension "Kalter Verrat" von Kate Dark





Der Kriminalroman „Kalter Verrat“ von Kate Dark beginnt direkt mit einem Blutbad. Reed Holloway, ein Polizist, wach eines morgens neben seiner Freundin Mary auf - er blutverschmiert und ohne Erinnerungen an die letzte Nacht, sie tot, ermordet mit einem Messer, auf dem seine Fingerabdrucke zu finden sind. Als die Polizei seine Wohnung stürmt, nehmen sie Reed gefangen, der keinen Widerstand leistet. Hat er sie tatsächlich getötet? Er wollte ihr doch gestern Abend einen Heiratsantrag machen? Doch seine Erinnerungen sind wie weggewischt, während alle ihn für schuldig halten, alle bis auf seine alte Freundin Holly, die als Reporterin beginnt in dem Fall zu forschen und sich immer weiter in Gefahr begibt.

Reed Holloway ist ein sehr verschlossener, abweisender Mann, der sehr distanziert erscheint und wenig Emotionen zeigt, obwohl seine Freundin gerade ermordet wurde und er unter Mordverdacht steht. Im Kontrast dazu steht Holly Morgan, die sehr naiv, offen und engagiert ist. Ein wenig zu engagiert beinahe, denn ihr Drang ihre Nase in anderer Leute Angelegenheiten, bringt ihr mehr Feinde als Freunde ein und macht sie zur Zielscheibe. Scheinbar hatte Reed interne Ermittlungen gegen Kollegen durchgeführt und sich somit einige Polizisten zum Feind gemacht. Bald wird klar, dass nicht nur einer der Polizisten im Revier Dreck am Stecken haben und Reed tatsächlich unschuldig ist. Gemeinsam mit ihrem gemeinsamen Freund und Kollegen Aaron begibt sich Holly immer tiefer in die Verstrickungen von Korruption und Verrat. Doch kann sie Aaron wirklich trauen? Und was verbirgt Reed vor ihr?

Der Krimi startet direkt sehr spannend und man wird mitten ins Geschehen geworfen. Schnell ist klar, dass Reed tatsächlich unschuldig ist und der Täter innerhalb der Polizei zu finden ist. Obwohl diese Auflösung schon recht bald erfolgt, ist das Buch sehr spannend aufgebaut und hält einige Überraschungen bereit. Holly, die sich mit Übereifer in Ermittlungen stürzt, für die sie weder ausgebildet ist, noch die Zulassung hat, schwebt so oft in tödlicher Gefahr, derer sie sich nicht ein Mal bewusst ist, dass man um ihr Leben bangt und nicht weiß, wie sie es ganz alleine schaffen soll, diesen Fall zu lösen. 



Zur Verfügung gestellt wurde mir dieses Buch von dp DIGITAL PUBLISHERS und lovelybooks.

Dienstag, 14. April 2020

Buchrezension "The Ice" von John Kåre Raake


                                                            

Der Mystery-Thriller „The Ice“ des norwegischen Autors John Kåre Raake, spielt in der unendlichen, eisigen Landschaft des Nordpols. Anna Auer, eine ehemalige Soldatin begleitet eine wissenschaftliche Zweimann-Expedition ihres Mentors Professor Daniel Zakariassen. Als sie eines Nachts einem Notsignal folgen, stoßen sie auf die geheime Forschungsbasis der Chinesen und entdecken, dass beinahe die gesamte Basis auf grauenvolle Weise und unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen ist. Anna, die sich eigentlich geschworen hatte, nie wieder eine Waffe anzufassen, muss plötzlich gemeinsam mit dem Professor und zwei fremden Chinesen um ihr Leben kämpfen, denn eins ist sicher: Wer oder was auch immer die Forscher getötet hat, ist noch da draußen in der eisigen Kälte… 
Was haben die Chinesen hier am Nordpol erforscht und was hat die Forschungsstation der Russen damit zu tun? Der Kampf um den Nordpol beginnt und es ist ein Wettlauf mit der Zeit.

Raake versteht es außerordentlich gut, die Bedrohlichkeit des unendlichen Eises, der Kälte und der Einsamkeit der einzelnen Personen darzustellen. Das Setting am Nordpol inmitten von Eis löst Unruhe und Gefühle der Angst vor dem Unbekannten aus und man fühlt sich winzig und unbedeutend.
Abgeschnitten von der Außenwelt und ohne Aussicht auf baldige Rettung, kämpfen die ungleichen Überlebenden ums nackte Überleben. Als Leser erhält man nur Einblick in Annas Gedanken und Gefühle und so fragt man sich, wer von den anderen ein falsches Spiel spielen könnte und ob der Mörder nicht längst unter ihnen weilt. 

Die eisige Umgebung und die sehr wissenschaftliche Ausrichtung erinnert an Lincoln Childs „Nullpunkt“, Thomas Thiemeyers „Valhalla“ oder Dan Browns „Meteor“ und bietet einen ebenso düsteren und spannenden Thriller, der den Leser das ein oder andere Mal um das Schicksal der Figuren bangen lässt. 


Zur Verfügung gestellt wurde mir dieses Buch von der Verlagsgruppe Random House

Donnerstag, 27. Februar 2020

Buchrezension "Chilling Adventures of Sabrina: Hexenzeit" von Sarah Rees Brennan

Die Vorgeschichte zur Netflix Serie "Chilling Adventures of Sabrina" - Ein Muss für Fans der Serie!



                                                             

„Chilling Adventures of Sabrina: Hexenzeit“ von Sarah Rees Brennan ist die Vorgeschichte zur Netflix Serie „Chilling Adventures of Sabrina“, die mittlerweile aus zwei Staffeln (und mehreren Teilen) besteht und von der jungen Hexe Sabrina handelt, die einem Satan verehrenden Hexenzirkel angehört und bald ihre satanistische Taufe erhält, bei der sie ihre Seele Luzifer überschreibt und das volle Potenzial ihrer Kräfte entfalten wird. 
Neben ihrem Hexenzirkel und ihren Hexentanten, hat sie allerdings auch noch ein sterbliches Leben, das sie durch ihren endgültigen Eintritt in den Zirkel aufgeben müsste. Ihre Freunde und ihren Freund Harvey möchte Sabrina aber eigentlich unter keinen Umständen aufgeben - jedoch wird sie sich bald entscheiden müssen, denn ihr 16. Geburtstag rückt immer näher…

Während die Serie kurz vor Sabrinas 16. Geburtstag einsetzt, beginnt das Buch einen Sommer früher und handelt hauptsächlich von Sabrinas und Harvey Liebesbeziehung - wie sie ein Paar wurden und welche Hürden sie dabei zu meistern hatten. 
Die einzelnen Kapitel beginnen immer mit einer kurzen Einleitung aus der Sicht verschiedener Personen, darunter auch unter Anderem Mary Wardwell, Prudence und Tommy Kinkle. Dieser kurze Perspektivwechsel in Prudences und Tommys Gedanken und Gefühle ist eine schöne Addition zur Serie und verleiht den Charakteren mehr Tiefe und Facetten als die Serie, in der Tommy ja leider nur sehr wenig vorkommt. Vor allem die Liebe zu seinem Bruder Harvey wird wunderschön aufgezeigt. Ebenfalls eine kurze, interessante Einführung erhält Nicolas Scratch, der in dieser Vorgeschichte mehr Tiefe erhält und auch hier bereits Interesse an Sabrina zeigt. 
Leider wirken und handeln die Charaktere in der Vorgeschichte teilweise sehr unterschiedlich zur Serie und wirken ein wenig out of character. Sabrina ist extrem unsicher und eifersüchtig, was ihre Beziehung zu Harvey angeht und ergreift sehr dramatische und drastische Maßnahmen, die untypisch wirken, wenn man die Serie gesehen hat. Ihr Bruder Ambrose wirkt hier noch zügelloser und wütender als in der Serie (auch wenn sein flirtender Charakter sehr gut eingefangen wurde), zeitweisewirken seine Aktionen fast bösartig und hinterlistig, auch wenn er eigentlich nur nett sein wollte. 
Interessanterweise wird im Buch „Der Teufel trägt Prada“ erwähnt, während es in der Serie weder Handys, Internet noch andere popkulturelle Anspielung (außer Zombiefilme im Kino) gibt…

Ingesamt kann man sagen, dass „Hexenzeit“ eine nette, unterhaltende Erweiterung der Serie ist, wenn man sich die Zeit bis zur nächsten Staffel vertreiben und die Figuren noch besser kennenlernen und verstehen möchte, ist man mit Sarah Reese Brennans Trilogie gut versorgt.
Die Beziehung von Harvey und Sabrina als Hauptthema der Vorgeschichte, verleiht dem ganzen Buch einen etwas kitschigen, „Teeniedrama“-Charakter, in dem einige Figuren nicht ihren Charakteren aus der Serie entsprechen. Da „Hexenzeit“ aber einige Zeit vor der ersten Staffel spielt, ist dies zu entschuldigen. 

Für Fans der Serie ist diese Reihe sehr zu empfehlen, auch wenn man sich erst ein wenig an die neuen, ein wenig anderen Charakterzüge mancher gewöhnen muss.



Zur Verfügung gestellt wurde mir dieses Buch von der Verlagsgruppe Random House. 

Freitag, 20. Dezember 2019

Buchrezension "Königliche Verschwörung" von Rhys Bowen



Rhys Bowen entführt uns in ihrem dritten Cozy-Krimi um Lady Georgiana in das Jahr 1932 in die schottischen Highlands. 
„Lady Georgie“ ist eine bodenständige, brave Lady und entfernt verwandt mit Queen Victoria. Relativ mittellos versucht sie alleine ihren Lebensunterhalt zu verdienen und stellt dabei eine missverständliche Annonce in die Zeitung. Um einen Skandal zu vermeiden, wird sie zurück nach Hause zu ihrer Familie nach Castle Rannoch geschickt. 
Auf dem Weg dorthin erhält sie aufgrund ihrer vorherigen Verstrickungen den Auftrag herauszufinden, wer in letzterer Zeit Anschläge auf den Kronprinzen von Wales verübt. Bei ihren Ermittlungen gerät Lady Georgie schließlich selbst in Lebensgefahr, doch zum Glück läuft sie immer wieder Darcy über den Weg, der immer nur dann auftaucht, wann es ihm zu passen scheint...

„Königliche Verschwörung“ ist der dritte Band der Reihe um Lady Georgie. Ohne die vorherigen Bücher gelesen zu haben, kann ich sagen, dass man das Buch auch ohne viel Hintergrundwissen gut lesen kann, auch wenn Charaktere aus vorherigen Bänden vorkommen.
Der Krimi führt uns in die Welt der britischen Adeligen in einer Zeit, in der leichtlebige, junge Adelige ihre Freiheit genießen und einen Kontrast zu den altbackenen, aristokratischen Regeln und Gebräuchen bilden. Lady Georgiana steht dabei mitten drin und versucht auf eine schlagfertige, humorvolle, aber auch naive, unschuldige Weise ihren eigenen Weg zu finden. 
Die Autorin hat ein Talent dafür die Umgebung, Orte und Menschen auf eine Weise zu beschreiben, die die Geschichte lebendig und gemütlich und dennoch spannend macht.

Leider hat die Kindle Version keine Absätze, sondern nur Einrückungen, wodurch der Text wenig gegliedert erscheint und schwierig zu lesen ist. Auffallend sind auch die für die deutsche Sprache untypischen kurzen Sätze (wir lieben unsere komplizierten Schachtelsätze), woran man die Übersetzung aus dem Englischen erkennen kann. 

„Königliche Verschwörung“ ist ein schön geschriebener Cozy-Krimi mit einigen spannenden Höhepunkten in der faszinierenden Welt Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Hauptperson ist eine sympathische, junge Lady, die mit ihrer Neugier und Naivität in die ungünstigsten und gefährlichsten Situationen stolpert und dabei nicht auf den Kopf gefallen ist. 
Eine Reihe, die es sich zu lesen lohnt, wenn man eine Mischung aus Krimi und historischer Romanze als unterhaltende, seichte Lektüre mag!

Zur Verfügung gestellt wurde mir das Rezensionsexemplar von dp DIGITAL PUBLISHERS



Mittwoch, 18. Dezember 2019

Buchrezension "Scherbenkrone" von Tessa May


Scherbenkrone (Ein Königreich aus Blut und Rache 1) - Tessa May


„Während die Dunkelheit hereinbrach, begann Sefris zu glühen. Calista wusste gar nicht, wohin sie zuerst schauen sollte - auf all die Stände voll mit reifen Früchten, kostbaren Teesorten und reichen Gewürzen, die ihren verführerischen Duft verströmten, auf die Stoffe in schillernden Farben, die zum Verkauf bereitlagen und von den Bürgern getragen wurden, oder auf die Häuser, die zum Leben zu erwachen schienen. Die Steine, die aus den Lichtbergen des Königreichs Tafhir her transportiert wurden, sandten ihr Leuchten ab und erhellten die heranziehende Nacht. Das Spektakel raubte ihr den Atem und sie schwor sich, Sefris in den kommenden Tagen mit Mireille zu erkunden, um diesem Wunder Tribut zu zollen. Selbst der Staub unter den Hufen ihrer Pferde schien zu leuchten, als sie die lange, gewundene Hauptstraße entlang ritten, die in eine leuchtenden Steinbrücke direkt über dem Meer mündete.“  


Calista ist die Thronfolgerin von Dormienta und leidet gemeinsam mit ihrem Volk unter der tyrannischen Herrschaft ihres geisteskranken Vaters, der vor vielen Jahren ihre Mutter wegen Hochverrat hinrichten ließ. Statt sich weiterhin ihrem Schicksal zu beugen, schließt sie sich mit einem der engsten Berater des Königs zusammen und plant dessen Sturz. Der brutale und blutige Putschversuch gelingt zwar, allerdings wird sie von ihrem Verbündeten hintergangen, angeklagt und in den Kerker gesperrt. Gemeinsam mit ihrer Leibwächterin Mireille - mit der sie weitaus mehr als bloße Zuneigung verbindet - fristet sie dort einige Zeit, bis der Verräter sie mit seinem Sohn vermählt, um seiner Linie den Thron zu sichern. Nach der Hochzeit flieht die unwillige Braut und wird von dem alten Verbündeten ihrer Mutter im angrenzenden Königreich aufgenommen. Während diese eine weitere Heirat zwischen ihr und dem Thronfolger - einem Kindheitsfreund - schmieden, kann Calista nur an eines denken: Rache an ihren Feinden, die sie so schmählich hintergangen haben. Und an die Schwester des Thronfolgers, den sie heiraten soll…

„Scherbenkrone“ war das erste Buch, das ich je als Rezensionsexemplar erhalten habe, deshalb habe ich mich umso mehr darauf gefreut, es zu lesen. Das Cover des Buches hat mich von Anfang an angesprochen und auch der Klappentext klang spannend und interessant.

Die Welt in der Calista lebt ist eine schön aufgebaute, gut durchdachte High-Fantasy Welt, in der Magie zwar existiert, in manchen Königreichen mal mehr und mal weniger toleriert und teilweise sogar verfolgt wird. Calista gehört zu den wenigen, die tatsächlich Magie besitzen und sie verwendet sie derart häufig, dass man meinen müsste, sie hatte schon längst entdeckt werden müssen. Während sie kämpft, verfällt sie durch ihre Magie in eine Art Blutrausch, der ihre Schwertkampftechniken und ihre Geschicklichkeit verstärken und sie scheinbar gegen jeden Gegner bestehen lassen. Dass das nicht an ihrem hervorragendem Training, sondern an ihrer Magie liegt, scheint niemand zu argwöhnen - was mich stark gewundert hat.
Calista scheint zunächst eine normale Frau zu sein, die sich von ihrem Unterdrücker befreien möchte, geht dabei aber mit einer Kaltherzigkeit und Brutalität vor, dass der Leser sich fragen muss, ob sie nicht eine gespaltene Persönlichkeit hat. Ihr Charakter ist so ambivalent, dass der Wechsel von freundlich zu kalkuliert und kalt teilweise sehr extrem ist. Der Autorin ist es auf jeden Fall gelungen, einen Charakter zu erschaffen, der in manchen Momenten unglaublich sympathisch ist und im nächsten Moment so berechnend ist, dass man beinahe fürchtet, sie würde gleich alle um sich herum niedermetzeln, um zu bekommen was sie möchte. Darin steht sie ihrem Vater wohl in nichts nach.

Das extreme Schwanken von Calistas Persönlichkeit ist der Grund, warum ich dem Buch 3,5 statt 4 Sternen verleihen würde, die Welt von Tessa May hat mich allerdings so sehr angesprochen, dass ich die weiteren Bände lesen werde, allein schon um mehr über die anderen Königreiche und die Magie dieser Welt zu erfahren. Das Worldbuilding in diesem Buch ist großartig, ebenso wie die detaillierte Beschreibung der Umgebung  und man kann sich vorstellen, wie man selbst über die Märkte von Sefris wandert und die leuchtenden Farben der Hauptstadt Fiestras bewundert.


Zur Verfügung gestellt wurde mir das Rezensionsexemplar von Lovelybooks und dp DIGITAL PUBLISHERS

Donnerstag, 31. Oktober 2019

Buchempfehlung "Die besten Geschichten" von H.P. Lovecraft

It‘s spooky season! 🎃👻


Passend zu Halloween und zur „Spooky Season“ 🎃stelle ich hier eine Neuauflage gesammelter Kurzgeschichten von H.P. Lovecraft vor. 

Der 1890 geborene Lovecraft wird häufig gemeinsam mit E.T.A. Hoffmann und Edgar Allen Poe als einer der frühen Bereiter des heutigen Horror-Genres genannt. Seine früheren Werke sind noch klassische Horrorgeschichten, die stark an Poe orientiert sind, mit typischen Settings wie Friedhöfen, unheimliche, dunkle Orte und düstere Gebäude.  In seinen späteren Geschichten spielt er mit Horror- und Fantasyelementen, sowie mit Cosmic-Horror, zu dem auch der Cthulhu-Zyklus zugeordnet wird. Damit erschuf er eine vollkommene neue Art des Horrors, die die Leser in eine Welt des allumfassenden Grauens einführte. 
Seine Gesamtwerke werden häufig mit Poe, Hoffmann und auch H.G. Wells der Weird-Fiction zugeordnet. 
Lovecraft verstand es vor allem mit der Angst der Menschen vor dem Unbekannten zu spielen und erschuf in seinen Werken eine Atmosphäre der Unsicherheit und Beklemmung, die den Leser schaudern lässt.

„Die besten Geschichten“ umfassen nur einige wenige seiner unzähligen Werke, darunter befinden sich „Die Ratten im Gemäuer“, „Cthulhus Ruf“, „Pickmanns Modell“ und „Das Grauen von Dunwich“.

Das Buch eignet sich sehr gut als Einstieg für Neulinge, die sich mit dem Horror-Genre auseinandersetzen möchten, aber auch für eingefleischte Grusel-Fans.

Mittwoch, 16. Oktober 2019

Buchrezension "Die Welt von Erellgorh" von Matthias Teut



Die Welt von Erellgorh (Trilogie) von Matthias Teut 

Die Erellgorh-Trilogie besteht aus den drei Bänden "Geheime Mächte" (2016), "Geheime Wege" (2017) und "Geheime Pläne" (2018). Den ersten Band veröffentlichte Teut als Selfpublisher, die restlichen Bände der Trilogie folgten auf dem gleichen Weg. 

Ich habe die Bücher vor einiger Zeit als Ebooks über Kindle Unlimited gelesen, plane aber mir den neuerschienenen Vorband "Die Elbenstifte" (2019) direkt beim Autor auf der Frankfurter Buchmesse zu kaufen. Persönlich kann man den sympathischen Autoren auf einigen Veranstaltungen und Konventions treffen, ich bin ihm beispielsweise auf der FaRK 2019 im Saarland begegnet und habe mich kurz mit ihm über seine Bücher und seine Welt unterhalten. Allerdings war ich mit dem (dämlichen) Vorsatz dort, dass ich ausnahmsweise keine neuen Bücher kaufe und bereue heute noch, die "Elbenstifte" nicht dort schon gekauft zu haben. 



Zur Buchreihe:

Jukahbajahn - so heißt die Welt, in die uns Matthias Teut entführt. 
Dabei handelt es sich um eine klassische High-Fantasy Welt, die sich zum Lesen für Fantasy Liebhaber aber auch als Einstieg für Neulinge und Interessierte eignet. 
In Jukahbajahn koexistieren verschiedene Völker nebeneinander (im "Herr der Ringe"-Stil),  man merkt sofort, dass der Autor eine große Liebe für Details hat und seine Welt gut durchdacht und aufgebaut hat - wie man unschwer an der detailreichen Karte erkennen kann.




Seit dem großen Krieg leben die Völker der Zwerge, Menschen und das Sumpfvolk der  Urda gemeinsam in Frieden. Die Existenz der Elben und ihre geheimnisvolle Nebelstadt Erellgorh sind nur noch ein Mythos. Natürlich darf auch eine düstere Prophezeiung nicht fehlen, die die drei jungen Protagonisten - die unterschiedlicher nicht sein könnten - auf eine Reise voller Gefahren schickt, denn dunkle, mörderische Gestalten treiben ihr Unwesen und scheinen ein unbekanntes Ziel zu verfolgen. 


Die Hauptpersonen sind drei Jugendliche aus unterschiedlichen Völkern, die alle aus unterschiedlichen Gründen aufbrechen und ihren eigenen Weg gehen. Anfänglich noch sehr unsicher und unerfahren, wachsen sie an ihren Aufgaben und gewinnen immer mer Vertrauen in ich selbst.

Jedes Kapitel wird abwechselnd aus der Sicht der drei erzählt und es dauert einige Zeit, bis sich ihre Wege überhaupt kreuzen. Die einzelnen Handlungsstränge laufen parallel ab, dadurch erhält man einen guten Einblick in die unterschiedlichen Gebiete der Welt, allerdings wird man jedes Mal durch einen (manchmal etwas erzwungenen) Cliffhanger recht abrupt aus den Kapiteln gerissen und die Geschichte des ersten Teils zieht an einigen Stellen sich bis sie letztendlich richtig Fahrt aufnimmt. 
Obwohl die Protagonisten recht jung sind, empfiehlt sich das Buch eher für Jugendliche ab 15 oder junge Erwachsene, da in der Trilogie nichts geschönt wird, manche Figur einen brutalen Tod erleidet und einige Stellen doch recht düster sind (wobei nicht nur die blutrünstigen Kreaturen sondern auch die Menschen an einigen Stellen ihre böse Seite zeigen).

Magier, Elben und Zwerge - alles bekannte und klassische Elemente der phantastischen Literatur. Während die Menschen, Magier und Elben dem typischen Bild entsprechen, schafft es Teut die Zwerge neu auszuleuchten und zu erfinden. Grummelig, wortkarg, ein kleiner Karren, der durch die Landschaft gezogen wird, halsbrecherische Grubenfahrten - das Völkchen der Zwerge ist ein großer Pluspunkt dieser Buchreihe, auch wenn sie erst im letzten Band richtig auftreten.
Das Sumpfvolk der Urda ist ein interessantes Konzept des Autors über das ich gerne mehr lesen würde. Klein und zäh, mit weisen Schamanen und sturen Dickschädeln, die ihren Weg erst finden müssen. Eine interessante Mischung, die dem Elben-Zwerge-Menschen-Trio in Nichts nachsteht.
Auch eine feindliche Rasse darf natürlich nicht fehlen und da hat Matthias Teut mit den Gellwicks einen Gegner erschaffen, der einem das Fürchten lehrt. Zunächst unterschätzt und später gefürchtet, treiben die böswilligen, brutalen Kreaturen, die alles abschlachten was sich ihnen in den Weg stellt, ihr Unwesen in Jukahbajahn und kreuzen leider viel zu oft den Weg der Helden, die eigentlich gar keine sein wollen. 

Ich kann eine klare Empfehlung für diese Buchreihe aussprechen und freue mich schon auf weitere Bände aus dieser Welt! Nach Epen wie Richard Schwartz „Askir“ und „Götterkriege“-Reihe oder Markus Heitz „Die Zwerge“, sind diese Romane High-Fantasy-Abenteuer, die sich spannend lesen, Altbewährtes aufgreifen und faszinierendes Neues aufzeigen.



Matthias Teut betreibt eine eigene Webseite, auf der er Neuigkeiten zu seinen Büchern und nächsten Veranstaltungen veröffentlicht. Dort kann man auch seine Bücher direkt als Ebooks oder Taschenbücher bestellen. 

https://www.erellgorh.com





Sonntag, 13. Oktober 2019

Willkommen in meiner Welt der Bücher!

“I lived in books more than I lived anywhere else.” 

― Neil Gaiman, The Ocean at the End of the Lane


Wer kennt es nicht: Manchmal verliert man sich beim Lesen in der aufregenden Welt und möchte am Liebsten gar nicht mehr in die triste Realität zurückkehren.
Diese Faszination und dieses Erlebnis möchte ich mit Euch teilen und über die Bücher schreiben, die mich in der letzten Zeit am Meisten berührt und beschäftigt haben - oder besser noch: mich vom Lernen für die Universität abgehalten haben...

Ich bin eine leidenschaftliche Leserin und würde am Liebsten den ganzen Tag mit Lesen (Serien gucken, Essen und Schlafen) verbringen.
Dabei verschlinge ich so ziemlich alles was ich finden kann - während ich eine gute Tasse schwarzen Tee trinke.
Von Fantasy und Science Fiction über Thriller bis zu historischen Romanen lese ich eigentlich alles was ich in die Finger bekomme. Bisher habe ich meine Bücher immer auf Goodreads bewertet und kommentiert, nun habe ich beschlossen einen eigenen Blog zu erstellen und meine Rezensionen zu teilen.
Dieser Blog widmet sich nicht ausschließlich Büchern, sondern auch Serien, Filmen und anderen Ereignissen, die mich beschäftigt haben und die ich mit Euch teilen möchte.

Viel Spaß beim Lesen!

Eure Lucca